PARKETT


Wenig Ruhm für Topleistung

09.11.2001
Vor kurzem ist er mit einem hervorragenden fünften Rang von der Weltmeisterschaft in Japan zurückgekehrt und hat damit im Fernen Osten wertvolle Arbeit als Botschafter für Arbon geleistet. Der 29-jährige Patrick Ruf gehört seit Jahren zu den weltbesten «Moth»-Seglern, und davon profitiert auch der Nachwuchs des Yacht-Clubs Arbon.

Patrick Ruf, ist Segeln eine elitäre Sportart?
Patrick Ruf: Leider hat der Segelsport dieses Cliché. Dadurch werden viele von dieser herrlichen Freizeitbe- schäftigung abgehalten.

Also ist Segeln für jedermann erschwinglich...
Ruf: ...das hängt davon ab, wo man Prioritäten setzt. Sicher ist Segeln ein aufwändiges Hobby, das auch etwas kostet...

...was verstehen Sie unter «etwas kostet»?
Ruf: Meine Jolle kostet rund 12 000 Franken, doch gibt es durchaus auch günstigere Segelboote.

Sind Sie Spitzensportler?
Ruf: Eigentlich nicht, denn Spitzensport ist für mich mit beruflichen Einschränkungen verbunden.

Wer ist Patrick Ruf?
Ruf: Ich bin in Arbon aufgewachsen und habe nach meiner Arboner Schulzeit in Amriswil eine Lehre als Elektroniker absolviert. Nach dem Technikum in Buchs habe ich in Rorschach eine Aufgabe als Elektronikingenieur übernommen.

Was halten Sie von Drogen?
Ruf: Überhaupt nichts - weshalb?
...weil Ihr Boot «Extasy» heisst...
Ruf: ...meine «Moth» ist für mich in der Tat eine Droge!

Wann haben Sie Ihre Liebe zum Segelsport entdeckt?
Ruf: Eigentlich begann ich erst während der Sekundarschulzeit zu regattieren, obwohl mich meine Eltern schon als kleiner Bub auf den See mitgenommen haben.

Mit welchem Boot feierten Sie Ihre ersten Erfolge?
Ruf: Bis zum Alter von 15 Jahren segelte ich auf dem «Optimist».

Und dann?
Ruf: Danach wechselte ich auf die Ein-Mann-Jolle «Europe», die damals eine eigentliche «Renaissance» erlebte. Auf diesem Schiff habe ich sehr viel gelernt.

Und doch sind Sie schliesslich auf eine «Motte», die «Moth», umgestiegen...
Ruf: Während des Technikums hatte ich nur wenig Zeit für ein seriöses Training, um auch international bestehen zu können. Deshalb suchte ich ein Schiff «just for fun».

Die «Moth»-Klasse bietet vom Reglement her recht grosse Freiheiten. Kommt Ihnen das entgegen?
Ruf: Ich glaube schon, denn von meinem Job her bin ich eher ein «Tüftler», der diese Freiheiten auch technisch nutzen will.

Ist Ihre «Moth» eine Eigenkonstruktion?
Ruf: Ich habe sie nicht selber gebaut, jedoch einige Ideen einfliessen lassen.

Was ist nun wichtiger: Ihr technisches Know-how oder Ihr Segeltalent?
Ruf: Bei der «Moth» ist das Handling ausgesprochen wichtig...

...aber zu welchen Teilen ist der Sportler und zu welchen Teilen das Schiff am Erfolg beteiligt?
Ruf: Zu 30 Prozent die «Moth» und zu 70 Prozent der Steuermann.

Was zeichnet einen guten Segler aus?
Ruf: Das Gefühl für Geschwindigkeit und Wind.

Ist das Talent oder harte Arbeit?
Ruf: Wohl beides. Ganz wichtig ist auch die Konzentration auf dem Wasser.

Wie oft sind Sie auf dem Wasser?
Ruf: Zu wenig, um ganz vorne mitsegeln zu können.

Noch weiter vorne ist kaum noch möglich...
Ruf: ...wenn ich beispielsweise auf dem Meer trainieren könnte, dann wäre wohl noch mehr möglich.

«Moth» ist nicht olympisch. Wäre die Teilnahme an Olympischen Spielen keine Perspektive für Sie?
Ruf: Träumen darf man wohl, doch fehlen mir für olympische Boote die körperlichen Voraussetzungen. Deshalb ist die technisch anspruchsvolle «Moth»-Klasse für mich geradezu ideal, obwohl ich bei starkem Wind sogar in dieser Klasse an meine Grenzen stosse.

Kein Mensch denkt derzeit in unseren Breitengraden ans Segeln, und Sie kehren mit einem sensationellen fünften Rang von Japan zurück. Man kann nicht behaupten, dass Sie damit besonders im Rampenlicht stehen...
Ruf: ...Segeln ist doch eher eine Randsportart, die von einer breiten Bevölkerung kaum zur Kenntnis genommen wird.

Wann haben Sie sich erstmals mit einer WM-Teilnahme in Japan beschäftigt?
Ruf: Als ich an der vorletzten Europameisterschaft teilgenommen habe, liebäugelte ich erstmals mit der Teilnahme an dieser WM. Ich habe die Japaner als gastfreundliche Segler kennengelernt und deshalb die Chance genutzt, vier Wochen lang ein faszinierendes Land kennenzulernen.

Sie haben Ihr eigenes Schiff nach Japan mitgenommen. Ein teurer Spass...
Ruf: ...der Aufwand war in der Tat beträchtlich, denn die «Moth» musste «flugtauglich» verpackt werden...

...ganz billig war dieser Flug wohl auch nicht...
Ruf: ...glücklicherweise fand ich in der japanischen Firma Yaskawa einen Sponsor für die Transportkosten von rund 4000 Franken.

Der Fluggutschein des Reisebüros bta Travel AG, den Sie an der Mondscheinwoche gewonnen haben, reichte wohl kaum für Ihr
Ticket nach Japan...
Ruf: ...nicht ganz. Aber dadurch konnte ich mir sogar den Luxus leisten, Business-Class zu fliegen!

Haben Sie an der WM in Japan eine Medaille verpasst oder ein Diplom gewonnen?
Ruf: Ein fünfter Rang in einem Weltklassefeld mit 35 Teilnehmern ist für mich ein hervorragendes Resultat. Insbesondere deshalb, weil ich an den beiden ersten von zehn Läufen nicht punkten konnte, weil für unsere Verhältnisse viel zu starker Wind herrschte.

Lassen sich solch gute Resultate ummünzen?
Ruf: Eigentlich kaum. Abgesehen davon, dass Sie mich zum Interview eingeladen haben, was meine Sponsoren sicher gerne sehen.

Wer unterstützt Sie?
Ruf: Neben der erwähnten japanischen Firma Yaskawa sind mir der Shipper-Shop in Horn, die Firma Grossenbacher in Arbon und die Bootswerft von Sammy Smits, wo ich mit meinem Boot Gastrecht geniesse, gut gesinnt. Schliesslich erhalte ich als EM- und WM-Teilnehmer auch vom Kanton einen Beitrag aus den Sport-Toto-Geldern.

Und wie werden Sie vom schweizerischen Verband unterstützt?
Ruf: Derzeit leider gar nicht!

Wie finanzieren Sie denn den Rest?
Ruf: Ich bin ledig...

Geniessen Sie Unterstützung von Ihrem Arbeitgeber?
Ruf: Ich habe einen sehr loyalen Arbeitgeber, doch nehme ich für längere Trips unbezahlte Ferien.

Sie sind auch Junioren-Obmann im YC Arbon. Haben Sie zu viel Zeit?
Ruf: Wohl kaum. Aber wie das so ist in einem Verein, wird man halt für diesen oder jenen Job angefragt. Ich habe vom YC Arbon viel profitiert und versuche nun, davon etwas zurückzugeben.

Arbon ist bekannt für seine ausgezeichnete Nachwuchsarbeit. Ist das das Verdienst von Patrick Ruf?
Ruf: Das glaube ich kaum. Dem Verein liegt der Nachwuchs sehr am Herzen, und die Juniorenarbeit liegt nicht nur in meinen Händen.

Hat Ihr Erfolg eine gewisse Sogwirkung?
Ruf: «Jein». Sicher freut sich auch der Nachwuchs über meine Erfolge, doch möchte ich diese nicht überbewerten.

Wie viele Junioren sind aktiv?
Ruf: Von insgesamt 44 Junioren nehmen rund zwei Drittel regelmässig an Trainings teil...

...auch Mädchen?
Ruf: Mehrheitlich Knaben, obwohl eigentlich der «Optimist» auch für Mädchen geeignet ist. Dass die Knaben anzahlmässig dominieren, hat sicher mit einer gewissen Gruppendynamik zu tun.

Ab welchem Alter kann man «Optimisten» segeln?
Ruf: Frühestens ab sieben Jahren.

Es ist wohl nicht immer einfach, eine gute Harmonie zwischen älteren Nachwuchsseglern und Newcomern zu schaffen...
Ruf: ...das ist in der Tat so. Deshalb sind die Nachwuchstrainer und -betreuer ganz besonders gefordert.

Ist Segeln von «Jugend+Sport» anerkannt?
Ruf: Ja...

...und sind Sie J+S-Leiter?
Ruf: Nein, weil ich ganz einfach noch keine Zeit für den Kurs hatte. Aber im YCA sind J+S-Leiter tätig.
Was sagen Sie zum Thema «Segeln als Schulsport», über das derzeit diskutiert wird?
Ruf: Das wäre genial, doch braucht es dazu noch massives Umdenken.

Wo sollen denn beispielsweise die Frauenfelder in der Schule segeln?
Ruf: Natürlich ist ein nahegelegener See Voraussetzung für dieses Fach, das sicher nicht an allen Schulen angeboten werden kann.

Stimmt es, dass der YCA an der Weihnachtsausstellung mit seiner Juniorenabteilung präsent ist?
Ruf: Ja, das freut mich ganz besonders. Allerdings ist dieser Auftritt nur möglich, weil die Druckerei Schoop, die Seelitho und die Erat Design Group einen Teil ihres Standes zur Verfügung stellen.

Was «verkaufen» Sie an der ARWA?
Ruf: Am Stand werden Clubmitglieder und Junioren Informationsarbeit betreffend Juniorenförderung leisten. Geplant ist auch, das eine oder andere Boot zu präsentieren. Das Konzept steht jedoch noch nicht ganz und wird derzeit erarbeitet.

Theo Naef hat das YCA-Präsidium lediglich für drei Jahre übernommen. Zeichnet sich bereits eine Nachfolge ab?
Ruf: An der nächsten Generalversammlung wird ein neuer Vizepräsident gewählt, der voraussichtlich in einem Jahr das Präsidium von Theo Naef übernehmen wird.
eme





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